Die Alpen sind kein Revier, sondern das Revier — der Gebirgsbogen von Frankreich bis Slowenien, über 1.200 Kilometer lang, mit den höchsten befahrbaren Straßen Europas. Wer „in die Alpen" fährt, muss sich entscheiden, welchen Teil: Die Westalpen fahren sich anders als die Dolomiten, die Schweizer Pässe anders als die Hohen Tauern, der stille Ostrand in Slowenien anders als die dicht befahrenen Tauernstraßen. Diese Seite gibt den Überblick über den ganzen Bogen und verweist auf die Reviere, die eigene Seiten haben. Was die großen Teile ausmacht, steht hier.
Westalpen – Frankreich und das Piemont

Der Südwesten hat die höchsten Asphaltpässe des Gebirges. Die Cime de la Bonette führt eine Panoramaschleife auf über 2.800 Meter, der Col de l'Iseran (2.770 m) ist der höchste durchgehend befahrbare Alpenpass, der Col Agnel (2.744 m) an der italienischen Grenze der dritthöchste Asphaltpass der Alpen. Dazwischen liegen der Col du Galibier, der Col d'Izoard mit der steinernen Geröllwüste der Casse Déserte und der Col de la Cayolle. Wer die Region am Stück fahren will, nimmt die Route des Grandes Alpes — die klassische Passstraßen-Kette vom Genfer See bis ans Mittelmeer, über ein Dutzend Pässe, mehrere davon Zweitausender. Jenseits der Grenze liegt das Piemont mit seinen hohen Schotterpässen, eine eigene Welt für Geländefahrer mit eigener Seite. Die Westalpen sind weiter, kahler und einsamer als der Osten.
Zentralalpen – die Schweizer Paradepässe

Das Zentrum bilden die Schweizer Klassiker: das Trio aus Furka, Grimsel und Susten, das sich zu einer geschlossenen Tagesrunde verbindet, die kopfsteingepflasterte Gotthard-Tremola als älteste erhaltene gepflasterte Passstraße der Alpen, und im Osten das Stilfser Joch (2.757 m) mit 48 Kehren auf der Nordrampe — für viele die Königin aller Alpenstraßen. Hier ist die Straßendichte am höchsten und die Belagsqualität durchweg exzellent.
Graubünden und das Engadin – die passreichste Ecke der Schweiz

Kein anderer Landstrich der Alpen versammelt so viele Pässe auf so engem Raum. Rund um das Engadin reihen sich der Berninapass (2.328 m), an dem die Rhätische Bahn als UNESCO-Welterbe parallel zur Straße auf die Höhe klettert, der Flüelapass, der Albulapass und der Julierpass. Nach Osten führt der Ofenpass durch den Schweizerischen Nationalpark Richtung Südtirol, nach Süden fallen der Splügenpass und der San Bernardino mit dichten Kehrenpaketen nach Italien ab. Der Umbrailpass, der höchste Straßenpass der Schweiz, mündet direkt in die Kehren des Stilfser Jochs — zwei Pässe an einem Nachmittag. Wer Serpentinen zählt statt Kilometer, ist hier richtig.
Ostalpen – Tirol, Dolomiten und die Hohen Tauern

Der Osten ist das populärste Alpenrevier für den deutschsprachigen Raum. Tirol mit dem Timmelsjoch und seinen Gletscherstraßen, die Dolomiten mit der Sellaronda-Passrunde, die Hohen Tauern mit der Großglockner-Hochalpenstraße, dazu das Zillertal, Vorarlberg mit der Silvretta-Hochalpenstraße und die bayerischen Alpen — jedes davon ein Revier mit eigener Seite. Die Ostalpen sind grüner, dichter erschlossen und näher an Deutschland als der Rest.
Kärnten – Panoramastraßen im Süden Österreichs

Südlich der Hohen Tauern liegen die Kärntner Panoramastraßen. Die mautpflichtige Nockalmstraße zieht in weiten, gut ausgebauten Kehren durch die runden Gipfel der Nockberge, ohne den Zweitausender-Ernst der Gletscherpässe. Die Villacher Alpenstraße führt als mautpflichtige Stichstraße auf den Dobratsch hinauf, mit Blick über den Faaker und den Ossiacher See. Beide sind eher Genuss- als Kampfstrecken und eine gute Verbindung zwischen den Tauern und den Julischen Alpen im Osten.
Julische Alpen und Slowenien – der Ostrand des Bogens

Am äußersten Osten der Alpen liegt Sloweniens Hochgebirge. Der Vršič-Pass (1.611 m) überwindet mit 50 gezählten Kehren den Kamm zwischen Kranjska Gora und dem Soča-Tal; seine Nordrampe wurde im Ersten Weltkrieg von russischen Kriegsgefangenen gepflastert, an deren Toten eine hölzerne Gedächtniskapelle am Straßenrand erinnert. Von der Passhöhe zweigt die schmale, mautpflichtige Mangart-Straße ab, die höchste Straße Sloweniens, die über Tunnel und Felsgalerien fast bis auf den Sattel unter dem Gipfel führt. Die Julischen Alpen sind niedriger als die Zentralalpen, aber kompakt, wenig befahren und landschaftlich eigenständig.
Maut, Lärmverbote und Passöffnung – was man alpenweit wissen muss

Drei Dinge gelten über den ganzen Bogen. Erstens die Maut: Viele der schönsten Straßen sind gebührenpflichtig — Großglockner, Timmelsjoch, Silvretta, Zillertaler Höhenstraße, Nockalmstraße und viele mehr; dazu die Vignetten für Österreich, die Schweiz und Slowenien. Zweitens die Lärmauflagen: In Teilen Tirols gelten für besonders laute Motorräder Fahrverbote auf einzelnen Strecken, deren Umfang sich von Saison zu Saison ändert — vor der Reise prüfen. In den Dolomiten sperren zudem die autofreien Sellaronda-Tage die Passrunde an einzelnen Sommertagen ganz für Motorfahrzeuge. Drittens die Passöffnung: Die hohen Pässe sind im Winter gesperrt und öffnen je nach Schneelage oft erst Ende Mai oder Juni. Wer früh oder spät im Jahr fährt, prüft vor der Anreise, welche Pässe offen sind.
Die Alpen-Reviere im Einzelnen

Diese Übersicht ersetzt nicht die Tiefe: Für die großen Ziele gibt es eigene Seiten mit den konkreten Pässen, Mautangaben und Strecken — Tirol, Dolomiten, Großglockner, Zillertal, Vorarlberg, Piemont, die bayerischen Alpen, das Allgäu und Berchtesgaden. Wer eine Alpentour plant, wählt hier den Teil aus und geht dann in die Tiefe. Die Alpen sind zu groß für eine Reise — aber genau richtig für viele.